Die Mandoline und das Ruhrgebiet

In dem Buch „Die Hüter des Schwarzen Goldes" trägt eine verzauberte Mandoline wesentlich zum Geschehen in der Geschichte bei. Vielleicht war sie mal das Lieblingsinstrument eines Bergmanns, der sich auch bei seiner Arbeit nicht von ihr trennen wollte? Ein Bergmann, der eines Tages zusammen mit seinen Kumpeln verschüttet wurde und diese durch seine auf der Mandoline gespielten Melodien aus dem dunklen, staubigen Streb auf Phantasiereisen zu sonnigen, saftig grünen Hügeln an der irischen Küste oder den schneebedeckten Bergen Italiens mitnehmen konnte.

Aber wie kam die Mandoline ins Ruhrgebiet?

Die Mandoline gehört zur Familie der Lauteninstrumente, ist bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt und erlebte im 18. Jahrhundert ihre Hochblüte. Die Stimmung der Saiten entspricht denen einer Violine. Da somit Streichersätze übernommen werden konnten, gab es unmittelbar reichlich spielbare Literatur, ohne dass auf gezielte Kompositionen gewartet werden musste, die aber bald folgten. Auch Komponisten wie Vivaldi, Mozart und Beethoven schrieben für die Mandoline.

Zunächst war die Mandoline vor allem in Italien beliebt. Als während der industriellen Revolution Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr italienische Gastarbeiter nach Deutschland kamen, brachten einige auch ihr Lieblingsinstrument über die Alpen. Um 1890 entstanden in Deutschland die ersten Mandolinenquartette (2 Mandolinen, Mandola – eine Tenormandoline – und Gitarre).

Aufgrund dieser Historie ist es nicht verwunderlich, dass insbesondere in den Industrieregionen, wie dem Ruhrgebiet, zahlreiche Instrumentalvereinigungen entstanden. Auch weil die Anschaffung einer Mandoline deutlich günstiger war als die einer Geige, wurden die Mandolinenorchester zum „Sinfonieorchester des kleinen Mannes". Allein in der Stadt Dortmund gab es in den 1920er Jahren 40 Orchester.

Noch heute findet sich in NRW ein großer Schwerpunkt von Zupfmusikern im Allgemeinen und Mandolinisten im Besonderen. Nicht zufällig entstand so im Jahr 1979 der erste Hauptfachstudiengang für Mandoline bundesweit an der Musikhochschule Köln, Standort Wuppertal. Ab 1992 wurde dieser Ausbildungsgang zu einer Professur aufgewertet, noch heute der einzige professorale Lehrstuhl für Mandoline in Europa.

Übrigens: Neben der klassischen Musik ist die Mandoline zudem in der Volksmusik, dem Bluegrass und der Rock- und Pop-Musik verbreitet. So hört man diese Klänge auch bei Musikern wie Mike Oldfield, R.E.M. und The Hooters.


(Zusammengestellt von Dominik Hackner und Carsten Pierburg)

Die Sage der Schwarzmännchen


Vor langer Zeit, so heißt es in einer Sage, lebten Zwerge bei uns im Ruhrgebiet. Im Winter, wenn die Leute mit ihren Spinnrädern am Feuer saßen, wurde oft erzählt, es habe wieder einmal jemand einige der kleinen Wesen mit dunkler Haut gesehen. In nebligen Nächten hätten sie auf abgeernteten Feldern um ein Feuer getanzt.

Man glaubte, dass die Schwarzmännchen in Höhlen lebten oder gar tief verborgen in der Erde. Sie waren beliebt, denn sie hassten Ungerechtigkeit und halfen Menschen, die unverschuldet in Not geraten waren. Es hieß, dass sie einen Jahrmillionen alten Schatz hüteten, von dem außer ihnen niemand wusste. Aber da man angeblich schon Zwerge Goldmünzen ins Feuer hatte werfen sehen, war man sicher, es könne sich nur um Gold handeln und nannte die nächtlichen Feuer Goldfeuerchen.

Niemand traute sich, nach dem Geheimnis der Zwerge zu forschen.

Wäre man nicht vielleicht selbst einmal auf sie angewiesen? Und würden die Schwarzmännchen sich nicht eventuell rächen, wenn man sie ausspionierte?

Aber einmal kam ein Mann aus Schwaben an die Ruhr und erfuhr vom Schatz der Zwerge. Das ließ ihm keine Ruhe. Sobald die Felder abgeerntet waren, hielt er Nacht für Nacht Ausschau nach Goldfeuerchen. Und einmal hatte er Erfolg! Um Mitternacht entdeckte er von weitem Feuerschein, und als er näher kam, erblickte er dunkelhäutige kleine Männer. Versteckt hinter einem Baumstamm, sah er sie schwarze Steine ins Feuer werfen und einmal auch ein blinkendes kleines Goldstück. Die schwarzen Steine verbrannten und von ihnen blieb graue Asche zurück. Neugierig kam der Schwabe aus seinem Versteck.

Einer der Zwerge bat ihn freundlich ans Feuer und bot ihm an: „Bleib bei uns, wir zeigen dir, wie man die schwarzen Steine gewinnt. Du kannst reich damit werden!“

Der Schwabe lachte. Schwarze Steine? Er wollte Gold! Also musste er die Zwerge loswerden und ihre Höhlen durchsuchen. Ihm fiel der Zauberspruch ein, von dem die Leute behaupteten, damit ließen sich die Zwerge vertreiben, auch wenn es noch niemand versucht hatte. Schnell rief er die Worte. Und tatsächlich: Die Zwerge waren im Nu verschwunden, als hätte der Erdboden sie verschluckt. Niemand hat sie je wiedergesehen.

Der Mann aus Schwaben durchsuchte gierig die Höhlen und Erdlöcher in der gesamten Umgebung, doch er fand kein Gold, nur schwarze Steine.

Dass es tief in der Erde des Ruhrgebiets ganz viel von diesem Gestein gab, die Kohle, später auch „Schwarzes Gold“ genannt, wusste damals noch niemand.

Aber wer weiß, vielleicht leben die Schwarzmännchen bis heute verborgen unter Tage?


(Unbekannte Quelle, bearbeitet von Anja Kiel und Inge Meyer-Dietrich)